Anime und Essen: Wie japanische Popkultur den Food-Markt erobert

Von Kawaii-Food bis Markenkooperationen – warum Anime nicht nur die Sehnsucht nach Japan weckt, sondern auch den globalen Lebensmittelsektor beeinflusst.

Anime, die farbenfrohe und oft fantasievolle Welt japanischer Animationen, hat sich längst über die Grenzen Japans hinaus zu einem globalen Phänomen entwickelt. Von Popkultur bis hin zu Mode, Spiele und Technik – der Einfluss von Anime ist allgegenwärtig. Doch in den letzten Jahren hat sich ein neues und unerwartetes Feld für Anime geöffnet: der Lebensmittelsektor.

Anime als Brücke zur japanischen Esskultur

Der Einfluss von Anime auf den Lebensmittelsektor lässt sich nicht ohne den kulturellen Hintergrund Japans verstehen. Die Darstellung von Essen in Anime ist oft mehr als nur eine visuelle Füllung; sie ist eine Hommage an die japanische Esskultur. Ob es sich um den ikonischen "Ramen" handelt, den "Onigiri" aus „Pokemon“ oder das herzhafte „Shokupan“ aus „Shokugeki no Soma“ – Anime bringt die Vielfalt und die ästhetische Darstellung japanischer Speisen in die Wohnzimmer der Zuschauenden weltweit.

Anime hat die westliche Welt stark beeinflusst und das Interesse an japanischer Küche gesteigert. Diese Art von „soft power“ hat dazu geführt, dass Gerichte, die früher als exotisch galten, nun fest im globalen kulinarischen Repertoire verankert sind.

Kawaii: Niedlichkeit als Schlüsselfaktor im Food-Trend

Ein wichtiger Aspekt des Anime-Einflusses auf den Lebensmittelsektor ist das Konzept des "Kawaii" – japanisch für "niedlich". Kawaii ist ein ästhetisches Prinzip, das weit über das Aussehen hinausgeht und tief in der japanischen Kultur verankert ist. Diese Niedlichkeit hat auch in der Food-Szene Einzug gehalten und ist besonders in der Präsentation von Speisen und Verpackungen sichtbar.

Kawaii Foods

Kawaii-Food zeichnet sich durch verspielte und oft übertrieben niedliche Darstellungen aus. Ob es sich um Pancakes in Form von Tieren, kunstvoll dekorierte Bento-Boxen oder Desserts mit lächelnden Gesichtern handelt – das Prinzip des Kawaii macht das Essen zu einem visuell ansprechenden Erlebnis. Durch Anime wird diese Ästhetik global verbreitet und beeinflusst sowohl die Food-Präsentation als auch das Marketing von Lebensmitteln.

Die Verbindung von Kawaii und Essen ist nicht nur ein visuelles Phänomen, sondern trägt auch dazu bei, dass Konsument*innen eine stärkere emotionale Bindung zu den Produkten entwickeln. Ein „kawaii“ Gericht, das an einen beliebten Anime-Charakter erinnert, hat das Potenzial, den Betrachtenden in eine nostalgische oder freudige Stimmung zu versetzen, was letztlich den Appetit und die Kaufbereitschaft steigert.

Kulinarische Anime: Der Appetit auf animiertes Essen

Anime, die sich gezielt um das Thema Essen drehen, haben eine besondere Rolle in diesem Trend gespielt. Serien wie „Food Wars! Shokugeki no Soma“ oder „Sweetness & Lightning“ zeigen nicht nur Kochtechniken, sondern vermitteln auch eine tiefe emotionale Verbindung zum Essen. Diese Serien bieten den Zuschauern eine visuelle und narrative Erfahrung, die oft so intensiv ist, dass sie das Verlangen wecken, die dargestellten Gerichte selbst auszuprobieren.

Die Darstellung von Essen in Anime hat dazu beigetragen, dass Zuschauende nach Rezepten suchen oder sogar Kochkurse besuchen, um die in den Shows vorgestellten Gerichte nachzukochen . Diese „kulinarische Animation“ hat dazu beigetragen, dass Essen nicht nur als notwendige Nahrungsaufnahme, sondern als kulturelles Erlebnis wahrgenommen wird.

Markenbindung durch Anime und Gaming

Der Einfluss von Anime erstreckt sich auch auf die Marketingstrategien großer Marken. Ein Beispiel ist McDonald's, das in Japan Manga- und Anime-inspirierte Verpackungen eingeführt hat. Diese Maßnahme richtet sich nicht nur an ein junges Publikum, sondern auch an Liebhaber der japanischen Kultur weltweit.

yFood

‍Solche Verpackungsdesigns sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Unternehmen Anime als Werkzeug nutzen, um eine emotionale Bindung zu den Konsumenten herzustellen.

Aber es sind nicht nur große Food Brands, die diesen Trend aufgreifen. Auch für Food Startups wird Anime zunehmend interessanter. YFood, ein Unternehmen, das sich auf trinkbare Mahlzeiten - sogenanntes Smart Food -spezialisiert hat, hat in Zusammenarbeit mit dem beliebten Videospiel „Genshin Impact“ eine limitierte Edition herausgebracht. Diese Kollaboration zeigt, wie Anime und Gaming in der Lage sind, neue Zielgruppen anzusprechen und die Markenbindung zu stärken.

Der Erfolg von Anime im Lebensmittelsektor: Warum funktioniert es?

Der Erfolg von Anime im Lebensmittelsektor lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Erstens bieten Anime-Charaktere und -Geschichten eine starke emotionale Verbindung, die Marken nutzen können, um Konsumenten anzusprechen. Zweitens bringen Anime oft eine narrative Tiefe mit, die es den Zuschauenden ermöglicht, sich mit den dargestellten Gerichten auf einer persönlichen Ebene zu identifizieren. Drittens hat die globale Popularität von Anime dazu geführt, dass viele Menschen sich stärker für die japanische Kultur und damit auch für deren kulinarische Traditionen interessieren.

Ein weiterer Grund ist die Ästhetik. Essen wird in Anime oft auf eine Art und Weise dargestellt, die sowohl visuell ansprechend als auch appetitlich ist. Diese Darstellung trägt dazu bei, dass sich Konsument*innen stärker mit bestimmten Marken und Produkten identifizieren, wenn diese Anime-Elemente in ihre Marketingstrategien integrieren.

Anime als Katalysator für Innovation im Lebensmittelsektor

Anime ist weit mehr als nur Unterhaltung. Es hat sich zu einem mächtigen kulturellen und wirtschaftlichen Instrument entwickelt, das tief in den Lebensmittelsektor eindringt. Von der Popularisierung japanischer Gerichte über die Förderung kulinarischer Experimente bis hin zur Stärkung von Markenbindungen – der Einfluss von Anime auf die Lebensmittelbranche ist nicht zu unterschätzen.

Unternehmen, die diesen Trend verstehen und für sich nutzen, können nicht nur neue Zielgruppen erreichen, sondern auch ihre Markenidentität auf innovative Weise stärken. In einer Zeit, in der Konsument*innen zunehmend nach emotionalen und kulturellen Verbindungen suchen, bietet Anime eine einzigartige Möglichkeit, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieser Trend weiterentwickelt und welche neuen kulinarischen Innovationen daraus hervorgehen werden.

Quellen: