Der TV-Pitch ist das prominente Schaufenster, doch das wahre Geschäft entscheidet sich erst danach – egal ob beim Kampf um den Platz im Supermarktregal oder bei den explodierenden Kosten im D2C-Paketversand. Wer hat das Food-Spiel in fast zehn Jahren TV-Geschichte wirklich verstanden, und woran scheitern die meisten Konzepte?
Kurzer Hinweis vorab: Die Daten wurden während der laufenden Staffel erfasst und enthalten daher nicht alle Startups, der letzten Veröffentlichungen. Zudem sind die Informationen über die Startups, die bei DHDL auftraten, oft unvollständig, wenn man nicht gerade über jede Sendung Buch geführt hat. Ob ein Pitch erfolgreich war und der Deal im Nachgang wirklich Bestand hatte, wird nicht immer transparent kommuniziert. Die untenstehende Übersicht kann daher vereinzelte Fehler enthalten.
Dümmel, Thelen, Schulz: Drei völlig unterschiedliche Spielfelder
Ein Blick auf die Portfolios zeigt, dass die Löwen das Thema Food mit komplett gegensätzlichen Modellen angehen.
Das Dümmel-System: Masse und Margen-Risiko Mit einer Realisierungsquote von rund 81 Prozent hält Ralf Dümmel den Rekord. Sein Mechanismus ist konsequent auf Geschwindigkeit und Volumen im Massenmarkt ausgelegt. Produkte mit geringer Komplexität (wie das Bratpulver von Paudar oder Knödelkult im Glas) landen oft innerhalb weniger Tage in bis zu 40.000 Verkaufsstellen.
Die Kehrseite: Das Modell braucht massentaugliche Einstiegspreise und ist extrem anfällig für Rohstoff-Schwankungen. Das Startup Foodwater scheiterte noch vor der Ausstrahlung, da gestiegene Zutatenkosten den anvisierten Verkaufspreis verdoppelt hätten. Im Discounter-Umfeld lässt sich so etwas schlicht nicht abbilden.
Thelens D2C-Wette und der Exit-Fokus Frank Thelen weist eine deutlich geringere Realisierungsquote von etwa 43 Prozent auf, verantwortet aber die finanziell erfolgreichsten Exits der Show-Geschichte (Little Lunch, Ankerkraut, YFood).
Sein Weg führt oft bewusst an den klassischen Handelsstrukturen vorbei. Massive Investitionen in den digitalen Direktvertrieb (D2C) und in den Markenaufbau halten die Marge anfangs im eigenen Haus. Doch wenn die Skalierung mit extrem hohen operativen Fixkosten einhergeht – etwa durch den Bau eigener Produktionsstätten wie bei Fittaste oder Pumperlgsund –, führt ein stockendes Wachstum auch hier schnell in die Insolvenz.
Tillman Schulz: Der strategische Importeur Tillman Schulz erzielt eine Realisierungsquote von rund 64 Prozent. Der Unterschied zu reinen Finanzinvestoren liegt in der bestehenden Infrastruktur. Er nutzt seine MDS Holding als operative Plattform für den Import und internationalen Vertrieb (z.B. Mudda Natur). Logistische Engpässe auf dem Weg in den Markt werden direkt über Konzernstrukturen gelöst, was den Gründern den operativen Sand aus dem Getriebe nimmt.
Die Frische-Falle: Warum das Thermometer Startups frisst
Ein Blick auf die prominenten Insolvenzen nach der Show offenbart ein klares Muster: Fast alle gescheiterten Unternehmen stammen aus dem Frische- oder Tiefkühlbereich (Fittaste, Pumperlgsund, Kuchentratsch).
Die Logistikkosten der „letzten Meile“ – völlig unabhängig davon, ob es um die Listung im Kühlregal oder um isolierte D2C-Pakete mit Trockeneis geht – lassen sich durch das schnelle DHDL-Wachstumstempo oft nicht decken. Im Gegensatz dazu erweist sich schlichte Haltbarkeit als Stabilitätsgarant. Startups mit Trockenprodukten (Ankerkraut, 3Bears, TeaBlobs) zeigen eine fast 100-prozentige Überlebensrate über einen Zeitraum von fünf Jahren. Sie sind logistisch pflegeleicht und verzeihen Aussetzer in der Lieferkette, ohne dass gleich ganze Paletten verderben.
(Eine Ausnahme bildet Kuchentratsch: Hier bewies sich die Marke trotz Insolvenz als stark genug für eine Übernahme durch eine Großbäckerei. Auch das ist eine Form des Überlebens im Startup-Ökosystem.)

Die Ankerkraut-Gründer in DHDL
Hinter den Kulissen: Warum 40 % der Deals platzen
Vier von zehn im Fernsehen geschlossenen Deals werden nach der Due Diligence nicht realisiert. Die Gründe haben selten mit frisierten Zahlen zu tun:
Der Wachstums-Bias: Zwischen der Aufzeichnung im Studio und der TV-Ausstrahlung liegen Monate. Startups wie Too Good To Go oder Foodist steigerten ihren Wert in dieser Zeit teilweise so signifikant, dass die Gründer ihre Unternehmensanteile nicht mehr zu den alten Konditionen abgeben wollten.
Strategische Divergenz: Bei Arang (koreanische Suppen) scheiterte der Deal einvernehmlich. Während der Investor schnelle Skalierung forderte, priorisierte die Gründerin die handwerkliche Qualität und Authentizität des Produkts. Ein klassischer Konflikt zwischen Skalierungsdruck und Produktphilosophie.
Produktionshürden: Startups wie Flavourizer oder DasKaugummi scheiterten in der Nachverhandlung an den reellen Herstellungskosten. Wenn sich ein Produkt in großen Margen nicht mehr profitabel herstellen lässt, nützt auch die beste TV-Sendezeit nichts.
Fazit: Von der Gourmet-Nische zum Functional Food
Die Startup-Landschaft im Food-Sektor bei DHDL ist erwachsen geworden. Reichten in den ersten Staffeln noch charmante Gourmet-Ideen für hohe Bewertungen, belegen die Zahlen der letzten Jahre deutlich härtere Anforderungen.
Der Trend bewegt sich weg von kleinteiligen Nischenprodukten hin zu hocheffizienten Snacking-Lösungen und „Functional Food“ (wie Laxplum oder Steiner's Low Carb). Das Überleben eines Food-Startups hängt nach dem TV-Pitch nicht primär von der kurzfristigen Reichweite ab, sondern von den Hausaufgaben in der Lieferkette. Konzepte, die logistisch skalierbar sind – sei es im D2C-Versand oder auf der Palette für den Handel – und deren Herstellungskosten bereits vor dem Studiobesuch wasserdicht kalkuliert wurden, haben die besten Karten, um langfristig im Markt zu bestehen.
Daten:
Staffel | Startup / Produkt | Deal | Investor(en) | Investment & Anteile | Deal-Status | Status heute | Eingestellt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
1 | Erdbär (Kindersnacks) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
1 | Zuckerzahn (Süßwaren) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
1 | Mexican Tears (Saucen) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
1 | Vepura (Indische Kost) | Ja | Thelen, Williams, Öger | 120.000 € für 30% | Geplatzt | Aktiv | - |
1 | Foodist (Feinkost-Boxen) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
2 | Little Lunch (Bio-Suppen) | Ja | Thelen, Williams, Öger | 100.000 € für 30% | Realisiert | Verkauft (Allos) | - |
2 | Heimatgut (u.a. Gemüsechips) | Ja | Schweizer | 125.000 € für 15% | Geplatzt | Aktiv | - |
2 | Gourmetfix (Saucen-Basis) | Ja | Williams, Öger | 250.000 € für 30% | Geplatzt | Eingestellt | 2016 |
2 | Koawach (Koffein-Kakao) | Ja | Schweizer | 120.000 € für 10% | Geplatzt | Aktiv | - |
2 | MySchokoWorld (Foto-Schoko) | Ja | Schweizer | 80.000 € für 30% | Geplatzt | Eingestellt | 2018 |
2 | Babo Blue (Bier-Mix) | Ja | Steiner, Schweizer | 100.000 € für 25,1% | Realisiert | Eingestellt | 201 |
2 | Popcornloop (Rührer) | Ja | Öger, Williams | 80.000 € für 35% | Realisiert | Aktiv | - |
3 | Ankerkraut (Gewürze) | Ja | Thelen | 300.000 € für 20% | Realisiert | Verkauft (Nestlé) | - |
3 | Lizza (Low-Carb Pizza) | Ja | Thelen, Maschmeyer | 150.000 € für 25% | Realisiert | Verkauft (Cremer) | - |
3 | Papa Türk (Chlorophyll-Drink) | Ja | Dümmel | 400.000 € für 30% | Realisiert | Aktiv | - |
3 | DasKaugummi (Funktions-Gum) | Ja | Dümmel | 250.000 € für 20% | Geplatzt | Aktiv | - |
3 | VeggiePur (Gemüsemischung) | Ja | Dümmel | 125.000 € für 25,1% | Realisiert | Aktiv | - |
3 | frooggies (Fruchtpulver) | Ja | Schweizer | 40.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv | - |
3 | Malzit (Getreideaufstrich) | Ja | Dümmel | 40.000 € für 30% | Realisiert | Aktiv | |
3 | Try Foods (Probiersets) | Ja | Thelen | 100.000 € für 20% | Geplatzt | Aktiv | - |
4 | 3Bears (Porridge) | Ja | Thelen, Williams | 150.000 € für 15% | Realisiert | Aktiv | - |
4 | Luicella's Ice (Eismix) | Ja | Thelen | 120.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv (Teilexit) | - |
4 | Fittaste (Fitness-Essen) | Ja | Thelen | 300.000 € für 25% | Realisiert | Insolvent | 2019 |
4 | Pumperlgsund (Eiweiß-Prod.) | Ja | Thelen | 500.000 € für 20% | Realisiert | Insolvent | 2022 |
4 | Helga (Algengetränk) | Ja | Dümmel | 375.000 € für 23% | Realisiert | Aktiv | - |
4 | Too Good To Go (App) | Ja | Alle 5 Löwen | 1.000.000 € für 9% | Geplatzt | Aktiv | - |
4 | Mioolio (Gewürzöl) | Ja | Dümmel | 30.000 € für 25,1% | Realisiert | Aktiv | - |
4 | Yummynator (Food/Hundenapf) | Ja | Dümmel | 150.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
5 | YFood (Trinkmahlzeit) | Ja | Thelen | 200.000 € für 10% | Realisiert | Verkauft (Nestlé) | - |
5 | Frittenlove (Gourmet-Pommes) | Ja | Thelen | 120.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv | - |
5 | Waterdrop (Microdrinks) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
5 | Kuchentratsch (Kuchen) | Ja | Wöhrl, Maschmeyer | 100.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv (Rescued) | - |
6 | BitterLiebe (Bitterstoffe) | Ja | Williams | 200.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
6 | Paudar (Bratpulver) | Ja | Dümmel | 200.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
6 | Sirplus (Lebensmittelretter) | Nein | - | - | - | Insolvent | 2024 |
8 | Knödelkult (Knödel im Glas) | Ja | Dümmel | 250.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
8 | Ella's Basenbande (Gerichte) | Ja | Glagau | 150.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
10 | JoyBräu (Proteinbier) | Ja | Glagau | 300.000 € für 10% | Geplatzt | Eingestellt | 2023 |
10 | Osmans Töchter (Meze) | Ja | Wöhrl | 170.000 € für 25% | Geplatzt | Aktiv | - |
10 | Veggie Crumbz (Paniermehl) | Ja | A. & S. Lemcke (Gast) | 200.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv | - |
11 | Laxplum (Abführpflaume) | Ja | Williams, Glagau | 50.000 € für 10% | Glagau real. | Aktiv | - |
11 | Le Gurque (Gemüseschwamm) | Ja | Wöhrl, Röser | 100.000 € für 20% | Geplatzt | Aktiv | - |
12 | Hans Ranke (Fertiggericht) | Ja | Dümmel | 75.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
12 | Taste Like (Vegan-Hering) | Ja | Dümmel | 100.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
12 | GURU Granola (Müsli) | Ja | Glagau | 120.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
13 | Mary Kwong (Pekingente) | Ja | Schulz | 300.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
13 | Foodwater (Gemüsebrühe) | Ja | Dümmel | 75.000 € für 35% | Realisiert | Eingestellt | 2023 |
14 | TeaBlobs (Tee-Tabletten) | Ja | Dümmel, Schulz | 100.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
14 | Frinsh (Ingwer-Würfel) | Ja | Dümmel, Schulz | 75.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
15 | Steiner's (Low Carb) | Ja | Glagau | 300.000 € für 15% | Realisiert | Aktiv | - |
15 | La Cascara (Kaffeekirsche) | Ja | Schulz | 110.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
15 | Just Nosh (Wasserlilien-Pops) | Ja | Schulz | 100.000 € für 15% | Realisiert | Aktiv | - |
16 | Mudda Natur (Heimisch Quinoa) | Ja | Schulz | 150.000 € für 10% | Realisiert | Aktiv | - |
16 | TÄMPTÄSTIC (Tempeh) | Ja | Schulz | 40.000 € für 15% | Realisiert | Aktiv | - |
16 | Bulgurcups (Instant-Bulgur) | Ja | Dümmel | 80.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
17 | pick'em (Flavor-Zahnstocher) | Ja | Schulz | 66.667 € für 6% | Realisiert | Aktiv | - |
17 | Arang (Koreanische Suppen) | Ja | Schulz | 100.000 € für 30% | Geplatzt | Aktiv | - |
17 | KRAFTFUTTER (Tiefkühl-Kost) | Ja | Schulz, Williams | 150.000 € für 20% | Geplatzt | Aktiv | - |
17 | Weinfly (Energy-Wein) | Ja | Dümmel | 100.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
17 | Flavourizer (Würzpulver) | Ja | Dümmel | 75.000 € für 30% | Geplatzt | Aktiv | - |
18 | Whacky Sticks (Beef Sticks) | Ja | Dümmel | 50.000 € für 20% | Realisiert | Aktiv | - |
18 | Mamaye (Afro-Bowls) | Nein | - | 350.000 € für 10% | - | Aktiv | - |
18 | NALU (Zuckerfreie Gummis) | Ja | Ensthaler, Gercke | 150.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
18 | Better Cakez (Gemüsekuchen) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
19 | Andenkraft (Yacon Sirup) | Ja | Dümmel | 80.000 € für 35% | Realisiert | Aktiv | - |
19 | Nature Pandan (Pandan-Food) | Ja | Dümmel | 25.000 € für 15% | Realisiert | Aktiv | - |
19 | Chipolos (Salami-Chips) | Ja | Dümmel | 50.000 € für 25% | Realisiert | Aktiv | - |
19 | Hansegrün (Superfood Shots) | Nein | - | - | - | Aktiv | - |
