Wir haben uns wie jedes Jahr die Mühe gemacht, die relevanten Signale vom Grundrauschen zu trennen und die oftmals datengetriebenen Reports der wichtigsten Player übereinandergelegt.

Die größten Überschneidungen

Bevor wir in die Details gehen, lasst uns erst einmal auf die harten Fakten blicken. Bestimmte Predictions finden sich in fast allen Quellen wieder, was ihre Relevanz für 2026 massiv unterstreicht:

Der Aufstieg der Ballaststoffe: Die stärkste Überschneidung finden wir bei den Ballaststoffen. Während Protein weiterhin wichtig bleibt, rücken Ballaststoffe als das „neue Protein“ in den Fokus, getrieben durch den Boom der Darmgesundheit (mehr über den Trend erfahren>) und die Unterstützung des Sättigungsgefühls. Bereits Ende 2025 waren die sozialen Medien vom „Fibremaxxing“ geprägt. Ein Trend, der in diesem Jahr nochmal an Fahrt aufnehmen wird. (Oatly, Datassential, Mintel, Whole Foods)

Rückkehr zum „echten“ Fleisch: Etwas überraschend: Mehrere Quellen berichten, dass pflanzliche Fleischalternativen ein Plateau erreicht haben könnten. Konsument*innen bevorzugen zunehmend wieder echtes Fleisch und tierische Fette (wie Talg), sofern diese authentisch, hochwertig und handwerklich verarbeitet sind. Aber Vorsicht mit dieser Einschätzung: Die Entwicklung von tierischen Produkten unterscheidet sich je nach Land enorm. Während in den USA tatsächlich ein leichter Rückgang von Plant-based zu erkennen ist, sieht man im deutschsprachigen Raum weiter eine positive Tendenz. (Datassential, Tastewise, Whole Foods)

Funktionale Gesundheit als „Body OS“: Gesundheit wird nicht mehr als allgemeines Ziel gesehen, sondern als persönliches Betriebssystem. Lebensmittel müssen spezifische Aufgaben erfüllen, sei es die Unterstützung bei GLP-1-Medikamenten, die kognitive Leistung oder auch die hormonelle Balance. Longevity lässt grüßen. (Tastewise, Innova Market Insights)

Erschwinglicher Luxus: Doch nicht alles folgt den größeren Zielen wie Nachhaltigkeit und Gesundheit. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchen wir Menschen kleine, luxuriöse Momente im Alltag (mehr über den Trend erfahren>), sei es durch ästhetische Cocktails, hochwertige Tiefkühlgerichte oder „Kitchen Couture“. Davon ausgehend, dass wir auch 2026 eine kriselnde wirtschaftliche und politische Lage beobachten werden, ist dies ein relevantes Thema für alle Brands. (Tastewise, McCormick, Innova Market Insights, Whole Foods)

Was bedeutet das nun konkret für das Regal und den Teller? Unter Berücksichtigung aller Quellen lassen sich sechs konkrete Cluster ableiten.

Fiber is the new Protein

Jahrelang haben wir Protein "gemaxxt". Alles musste High-Protein sein – vom Pudding bis zum Mineralwasser. Doch die Daten zeigen: 2026 gehört den Ballaststoffen. Warum? Weil wir kollektiv verstanden haben, dass Darmgesundheit (mehr über den Trend erfahren>) kein Nischenthema für den Reformhaus-Stammkunden ist, sondern der Schlüssel zu unserem physischen und psychischen Wohlbefinden.

  • Was wir sehen werden: Pasta, Cracker und Riegel, die nicht mehr mit Proteinisolat, sondern mit Fasern aus der Chicorée-Wurzel oder Cassava angereichert sind.

  • Der heimliche Gewinner: „Prebiotic Soda“. Marken wie Poppi oder Olipop machen es in den USA vor – Limonade, die den Zucker reduziert und den Darm füttert.

Radikale Fleisch-Authentizität

Das hier wird einigen nicht schmecken, aber wir müssen darüber reden. Der Markt für hochverarbeitete Fleischalternativen hat teils ein Plateau erreicht. Konsument*innen drehen Produkten, deren Zutatenliste wie ein Chemiebaukasten aussieht, den Rücken zu. Der Gegentrend ist nicht zwingend weniger Fleisch, sondern echteres Fleisch.

  • Tallow Takeover: Rindertalg ist zurück. Nicht nur aus Nostalgie, sondern weil es als natürliches, unverarbeitetes Fett wahrgenommen wird.

  • Ancestral Eating: Wir sehen eine Rückkehr zu "Nose-to-Tail". Mischungen aus Muskelfleisch und Innereien werden als Nährstoffbomben vermarktet. Das Narrativ verschiebt sich von "Pflanzlich ist immer besser" zu "Unverarbeitet ist immer besser". Ein Trend, der allmählich aus der Gastronomie in den Mainstream wandert.

Der Körper als Betriebssystem

Gesundheit ist 2026 kein diffuses Ziel mehr ("Ich will fitter werden"), sondern präzises Engineering. Während Wearables bereits unseren Schlaf und unsere Bewegung tracken, behandeln wir unseren Körper zunehmend wie Software, die spezifische Updates braucht.

  • GLP-1 Pantry: Die Pharmaindustrie verändert den Supermarkt. Wir werden auch in 2026 mehr Produkte sehen, die speziell entwickelt wurden, um die Nährstoffdichte für Menschen zu erhöhen, die durch Medikamente wie Ozempic kaum noch Appetit haben. Ein Trend, der sich aber weiterhin stärker auf den angloamerikanischen Raum konzentriert.

  • Brain Fuel: Vergiss Energy Drinks. Wir sehen vermehrt einen Shift zu funktionellen Lebensmitteln und Getränken, die speziell zur Steigerung der Konzentration und kognitiven Ausdauer entwickelt wurden (mehr über den Trend erfahren>). Diese Produkte setzen auf Inhaltsstoffe wie L-Theanin, Omega-3, Magnesium (Nootropika) oder funktionale Pilze wie Löwenmähne, um mentale Klarheit ohne den typischen Koffein-Crash zu fördern.

  • Very Vinegar: Ja, der Essig erlebt ein Revival. Essige dienen zur Blutzuckerstabilisierung und Förderung der Verdauung. Ein Alleskönner für den Körper.

Global Flavor Shuffle & Newstalgia

Flavor Trends gehören zu jedem guten Food Forecast. Spannend ist, dass sie nicht mehr linear von West nach Ost wandern. Sie explodieren viral auf Social Media. Im Fokus liegt dabei aber oftmals nicht der Geschmack, sondern ihre Visualität und Wirkung.

  • Lila und Sauer: Ube (die lila Yamswurzel) und Yuzu tauchen bereits seit Jahren in diversen Reports auf. Doch diesmal schaffen sie es endlich aus der Nische in den Mainstream.

  • Keralan Cuisine: Es bleibt auch 2026 asiatisch. Doch wir bewegen uns allmählich weg von Korea und Japan, hin in die Welt der südindischen Aromen – Kokosnuss und Curryblätter rücken in den Fokus.

  • Omas Vorratskammer: In unsicheren Zeiten suchen wir Sicherheit. Fermentation, Einlegen, traditionelle Heilmittel – wir flüchten uns in eine idealisierte Vergangenheit ("Newstalgia").

Sensorischer Maximalismus

In einer digitalen Welt hungern wir nach physischen Reizen. Geschmack allein reicht nicht mehr; das Mundgefühl (Mouthfeel) entscheidet zunehmend mit. Es geht um Kontraste: Cremig trifft knusprig. Heiß trifft kalt.

  • Crunch & Pop: Gefriergetrocknete Snacks oder Texturen, die extrem knuspern ("Loud Food"). Ideal für den weiter boomenden ASMR-Hype.

  • Funktionaler Schaum: Kaltschaum auf Getränken, der ästhetisch ist und gleichzeitig Proteine liefert.

Quiet Luxury im Kühlregal

Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Der große Urlaub fällt aus, Investitionen werden aufgeschoben, aber… beim Essen gönnen wir uns den "kleinen Luxus".

  • Freezer Fine Dining: Die Tiefkühltruhe verliert ihr Stigma. Hochwertige und oftmals gesunde Gerichte ersetzen verstärkt den Lieferdienst (mehr über den Trend erfahren>).

  • Instant Upgrade: Egal ob Instant-Kaffee oder Ramen Cups: Es spricht nichts gegen das schnelle Essen, doch nur, wenn die Qualität stimmt.

Fazit: 2026 wird das Jahr, in dem wir pragmatischer werden. Ein Riegel muss nicht mehr alles können, aber er muss eine Sache richtig gut machen. Und vor allem: Wir haben keine Lust mehr auf Fake. Egal ob beim Fleischersatz oder beim Marketing-Versprechen. Authentizität gewinnt. Endlich.